RFID-Lobby funkt gewaltig in den Messehallen

Die CeBIT tritt insgesamt als große Lobby-Veranstaltung für die IT-Wirtschaft auf. Doch einzelne Interessensverbände nutzen das aufmerksamkeitsstarke Forum in Hannover auch immer wieder gern, um ihre speziellen Anliegen ins Licht der Öffentlichkeit zu katapultieren. Besonders aktiv in dieser Hinsicht ist das Informationsforum RFID, das am Dienstag zu diversen Veranstaltungen rund um die kleinen Funkchips alias “Smart Tags” alias “Transponder” geladen hatte.

Obwohl der Zusammenschluss von Unternehmen und Forschungseinrichtungen den Namen RFID nun einmal im Titel hat, fühlt er sich den gefühlten Schwingungen zufolge gar nicht mehr richtig wohl mit der Bezeichnung für die kontaktlose Identifikationstechnik. Das mag wohl daran liegen, dass Nichtregierungsorganisationen RFID mit “Schnüffelchips” gleichgesetzt und eine Kampagne gegen die angebliche “Big-Brother-Technik” ins Leben gerufen haben. “Auto ID” bevorzugen Befürworter der Funkchips daher nun als politisch korrekte Bezeichnung. Klingt positiv – zumindest solange das eigene Kraftfahrzeug noch des Deutschen liebstes Kind und nicht das Vehikel Nummer eins zur Umweltverschmutzung ist.

Aber es gibt noch mehr Ärger jenseits der Namenswehen. Die RFID-Lobby hat auch verschnupft auf ein Gedankenspiel der Bundesregierung reagiert, beim Ausbleiben einer klaren Selbstverpflichtung der Wirtschaft rund um den Einsatz der Funkchips eine gesetzliche Regulierung sensibler Bereiche ins Auge zu fassen. Man sei besorgt über Forderungen, im Einzelhandel eine Pflicht zur standardmäßigen Deaktivierung der auf Konsumgütern eingesetzten “smarten Etiketten” einzuführen, hieß es auf der CeBIT. Die Geschäftsführerin des Informationsforums, Andrea Huber, betonte, eine solche “Zwangsdeaktivierung” werde negative Konsequenzen haben. Eingeschränkt würde damit etwa das “große Potenzial”, das Transponder bei der beleglosen Garantieabwicklung, zusätzlichen Verbraucherinformationen oder der Entwicklung intelligenter Haushaltsgeräte böten.

Ein Missbrauch von Daten durch RFID, dem mit gesetzgeberischen Maßnahmen begegnet werden müsste, ist laut Huber bei der derzeitigen Verbreitung und Art der Anwendungen im Einzelhandel nicht zu befürchten. “Es wäre ein fatales Signal, wenn durch solche Regelungen die weitere Verbreitung der RFID-Technologie beeinträchtigt würde.” Dies hätte auch negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft im Vergleich zu den USA und Asien. Die Lobbyistin verwies zugleich darauf, dass das bestehende Datenschutzrecht “alle heute bekannten RFID-Anwendungen” erfasse, soweit diese personenbezogene Daten verarbeiten.

Merkel und Co. hatten zuvor in einer Unterrichtung an den Bundestag Szenarien einer allgegenwärtigen Überwachung mit Funkchips als “noch völlig unrealistisch” bezeichnet. Befürchtungen von Daten- und Verbraucherschützern rund um RFID schienen ihr andererseits aber auch nicht ganz unbegründet. Sollte die Wirtschaft sich selbst keine Grenzen bei der Verwendung der Funkchips setzen, sei der gesetzgeberische Handlungsbedarf zu prüfen. Opposition und Datenschützer drängen bereits seit langem auf eine gesetzliche Regulierung des RFID-Einsatzes.

Wolf-Rüdiger Hansen, Geschäftsführer des Verbands für Automatische Identifikation, Datenerfassung und Mobile Datenkommunikation ( AIM-Deutschland), unterstrich derweil im schönsten Politikerslang auf der CeBIT, dass “die Zukunftstechnologie RFID sehr viel differenzierter betrachtet werden muss als bisher”. Der anfängliche Hype mit dem Ziel, alle Artikel im Handel und alle Teile in anderen Branchen mit den Funkchips jederzeit identifizieren zu können, sei einer “realistischen Betrachtungsweise” gewichen. Umso wichtiger sei es, vor allem kleinen und mittleren Unternehmen Erfolg versprechende Einsatzmöglichkeiten für RFID – hier erfolgte der Wechsel in den Geschäftskundenkauderwelsch – “zur Optimierung interner Prozesse und von Lieferketten” aufzuzeigen. Die Transpondertechnik stellt dieses Jahr erneut einen Schwerpunkt der CeBIT dar. Die Messe widmet dem Thema mit einem sich namentlich noch unentschieden gebenden “Auto ID/RFID”-Lösungspark und einem Forum in Halle 7 einen eigenen Bereich.

5 Responses to “RFID-Lobby funkt gewaltig in den Messehallen”

  1. Hallenhänger

    War diese Zusammenfassung der Lobby-Positionen nur ein Pflichtbeitrag oder gibt es noch irgendeinen tiefergehenden Mehrwert?

    Hatte grad so einen “Ja… und?”-Moment, obwohl ich doch die Texte von Herrn Krempl sonst so mag.

  2. Stefan Krempl

    hat sich so bei einem messerundgang ergeben, fand es einfach erstaunlich, welchen aufwand die rfid-lobby da betreibt mit präsenz auf ner ganzen halle + mehreren PKs + fachveranstaltungen. welchen “tiefergehenden mehrwert” hättest du denn erwartet?

  3. Hallenhänger

    Achichweißauchnicht. Ein Tuck mehr kritische Basics, um die PR-Arbeit besser verorten zu können. Mir war’s im Bauch einfach zu sehr die Lobbyseite, zusehr unbelegte Behauptungen (wie zB die “negativen” Folgen der Zwangsdeaktivierung). Ich les es morgen nochmal mit dem Kopf zusammen. Der ist noch messevernebelt.

  4. Stefan Krempl

    denke, die lobby + PR muss man nicht noch gewaltsam auseinanderklauben, die spricht für sich und die große angst vor jeglichem gesetzgeberischem eingreifen. mehr spitzen als die eingebauten halte ich weder für nötig noch diesem blog angemessen.

  5. Hallenhänger

    Einverstanden.

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