Zopa, smava, P2P-Banken und 60 Sekunden Alexander Artopé
Als ich Anfang 2006 für das Web-2.0-Kapitel von „Wir nennen es Arbeit“ recherchierte, stiess ich auf ein junges, britisches StartUp namens Zopa. Es handelte sich dabei um eine P2P-Bank, bei der sich Nutzer untereinander Geld leihen. Ich war schnell begeistert – allerdings nur, weil das Beispiel so schön aufzuschreiben war. Von dem Konzept war nicht unbedingt überzeugt; ich hätte vermutlich eher einem Rottweiler eine frische Blutwurst zur Bewachung überlassen als selbst Geld an mir unbekannte User mit dem Pseudonym „Zongo137“ zu verleihen.
Doch seither ist Einiges passiert. Zum einen ist mit dem Friedens-Nobelpreis an Mohammed Yunus ein Fokus auf Mikroinvestments entstanden, also Investitionen auf neuen Wegen abseits des bisherigen Finanzmarkts, der derzeit wegen eigener dramatischer Fehlleistungen seinen abstrakten Optionsschein-Derivat-Future-Bond-Kreditkreisläufen hinterherhechelt. Zum anderen ist auch für den deutschen Markt eine Variante von Zopa entstanden, nämlich smava. Es mag immer noch nicht allzuleicht fallen, Geld an Unbekannte zu überweisen und die Qualität der Pseudonyme hat sich kaum verändert. Eine andere Wendung ist aber interessant: in immer mehr Wirtschaftsbereichen haben die Menschen das Bedürfnis, den übermächtigen Playern zuzurufen: „Macht Ihr mal ruhig, aber ohne uns. Wir kriegen das auch so hin“.
Leider spielt sich das etwa in der Musik- und Filmindustrie noch zu einem guten, bzw. schlechten Teil illegal ab. Die Grundtendenz ist aber klar, denn mit dem Internet bieten sich die technische Möglichkeiten, Plattformen zu schaffen, die Institutionen ablösen. Und die Verteilung der Macht von Konzernstrukturen hin zu der Gruppe der einzelnen Menschen kann eine so schlechte Sache nicht sein. Leicht pathosverschmiert könnte man sagen, dass die Demokratie in immer mehr Geschäftsmodelle Einzug hält. Etwas tiefer gehängt würde man sagen, dass Firmen wie ebay oder smava einen Teil der Macht den Konsumenten zurückgibt, indem sie zu einer Mischung aus Produzenten und Konsumenten werden, zu Prosumenten also (lustigerweise schreibt Holm Friebe sein neues Buch “Basteln wird immer wichtiger” genau über diesen Mechanismus).
Und wenn das im Bereich Bankwesen funktioniert, mit echtem, hartem Geld, also der Verkörperung des Warenverkehrs, dann klappt das in so ziemlich allen anderen Bereichen irgendwann auch. Vielleicht. Denn obwohl die Idee von smava gut ist, wenn man sie durchdenkt, weil sie eher als Zopa über echte Kleininvestments als Kredite funktioniert, ist nicht klar, ob das Modell mittel- und langfristig vom Markt angenommen werden wird. Die Daumen kann man ja trotzdem drücken, denn ich persönlich leihe inzwischen einem Münchener Handwerker lieber Geld für seinen Zweitkastenwagen als der Bayerischen Landesbank, die damit mit verbundenen Augen amerikanisches Roulette spielt.
Hier ein 60-Sekunden-Statement vom smava-Chef, Alexander Artopé.
Die Idee ist in der Tat genial. Doch wie kann ich sicher sein, dass nicht auch der Münchener Handwerker mit meinem Geld ins Casino geht und mir stattdessen etwas anderes vorgaukelt (Zweitkastenwagen finanzieren) - denn nichts anderes hat die Bayerische LB ja auch getan? Vielleicht verstehe ich aber auch nur das Prinzip nicht.
@ Jörn:
Richtig. Bei beiden kann man sich nicht sicher sein.
Und wenn daudrch dieses Kriterium wegfällt kommen wir halt zum Nächsten.
Und Smava hat eindeutig den besseren Zinssatz ;-)